JUTZI Philipp

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Der Pass als Kopfsteuer

Ausweise

Der Pass als Kopfsteuer

Zwei Erwachsene, zwei Kinder: rund 420 Franken fuer einen Satz Paesse, alle zehn Jahre wieder.

Der Pass ist keine Ware, sondern der Nachweis der Staatsangehoerigkeit. Bezahlt wird er trotzdem wie eine Ware: 145 Franken im Inland, 149 Franken bei einer Vertretung im Ausland, alle zehn Jahre, pro Kopf, unabhaengig vom Einkommen.

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Die Zahlen

Was ein Pass kostet

Im Inland kostet der Pass fuer Erwachsene 145 Franken und gilt zehn Jahre, das Kombiangebot mit Identitaetskarte 158 Franken. Bei einer Schweizer Vertretung im Ausland sind es 149 Franken (164 Euro) inklusive Porto, Kombi 166 Franken. In Bukarest werden dafuer 820 Lei verrechnet.

145
Franken im Inland, gueltig zehn Jahre
149
Franken bei der Vertretung im Ausland, inklusive Porto

Dazu kommen Nebenkosten, die in keiner Gebuehrentabelle stehen: die Reise zur Vertretung, oft ueber hunderte Kilometer, ein oder zwei Tage Verdienstausfall und die Uebernachtung. Wer in der Schweiz wohnt, faehrt ins Passbuero im Kanton. Wer im Ausland lebt, faehrt in die Hauptstadt.

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Der Vergleich

Teurer als jeder EU-Staat

Die Grafik zeigt die Gebuehr fuer einen gewoehnlichen Pass fuer Erwachsene im eigenen Land. Der Median der 27 EU-Staaten liegt bei rund 49 Franken. Die Schweiz verlangt 145 Franken - rund das Dreifache, und mehr als jeder einzelne der 27. Teurer ist nur noch Australien. Die Waehrung laesst sich umschalten.

Australien246
Schweiz145
Neuseeland116
Vereinigtes Koenigreich113
Daenemark106
USA106
Italien101
Kanada96
Frankreich83
Griechenland82
Niederlande74
Oesterreich70
Deutschland66
Belgien60
Portugal57
Rumaenien53
Schweden45
Singapur45
Polen33
Spanien27
Tschechien22
Bulgarien18
EU-27 49 CHF

Gebuehr im eigenen Land, gewoehnlicher Pass fuer Erwachsene, zehn Jahre gueltig. Schweiz, Australien, Neuseeland, Kanada, USA, Singapur und das Vereinigte Koenigreich nach amtlicher Gebuehrentabelle, die EU-Staaten aus einer Vergleichsliste in US-Dollar, Stand 2026. Fuer die USA gilt der Erneuerungssatz, erstmalig kommen 35 Dollar Bearbeitungsgebuehr dazu. Schottland hat keinen eigenen Pass, es gilt der britische.

Momentaufnahme: umgerechnet zu den fest hinterlegten Referenzkursen der EZB vom 15.09.2026 (1 USD = 0.8182 CHF, 0.8667 EUR, 0.7417 GBP, 1.7369 NZD, 1.392 CAD, 6.4781 DKK, 9.7703 SEK, 3.7612 PLN, 21.052 CZK, 4.5608 RON, 1.4034 AUD, 1.2725 SGD). Die Kurse bewegen sich, die Grafik nicht. Bulgarien rechnet seit dem 01.01.2026 in Euro.

Der Vergleich ist konservativ gerechnet. Er stellt die Schweizer Gebuehr im Inland den Gebuehren im Inland gegenueber. Wer den Pass bei einer Vertretung im Ausland beantragt, zahlt in der Schweiz mehr, in mehreren EU-Staaten ebenfalls - der Abstand bleibt.

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Die Frage

Ist der Schweizer Pass so viel besser?

Ein hoher Preis waere zu rechtfertigen, wenn das Dokument mehr koennte. Die uebliche Messgroesse dafuer ist der Henley Passport Index: wie viele Ziele der Pass ohne vorher beantragtes Visum oeffnet. Im Index 2026 fuehrt Singapur mit 192 Zielen - und verlangt dafuer 70 Singapur-Dollar, rund 45 Franken. Der Schweizer Pass oeffnet 185 Ziele und kostet 145 Franken.

192
Ziele visumfrei, Singapur, rund 45 Franken
185
Ziele visumfrei, Schweiz, 145 Franken

Dreimal der Preis fuer sieben Ziele weniger. Australien, mit der hoechsten Gebuehr der Welt, kommt auf 182 Ziele. Umgekehrt oeffnet der deutsche Pass gleich viele Ziele wie der Schweizer und kostet gut die Haelfte.

Die Gebuehr misst also nicht die Qualitaet des Dokuments. Sie misst, was ein Staat seinen Buergern dafuer verrechnet, dass er ihre Zugehoerigkeit bestaetigt.

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Warum das eine Kopfsteuer ist

Gleich viel fuer alle, egal was einer verdient

Eine Kopfsteuer ist eine Abgabe pro Person, in gleicher Hoehe fuer alle, ohne Bezug zum Einkommen. Genau so funktioniert die Passgebuehr. Sie faellt alle zehn Jahre an, fuer jedes Familienmitglied einzeln, und sie ist fuer die Lehrtochter gleich hoch wie fuer den Konzernchef.

Eine vierkoepfige Familie zahlt fuer einen Satz Paesse rund 420 Franken, bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern, und fuer die Kinder alle fuenf Jahre wieder. Wer seinen Pass verliert oder wem er gestohlen wird, zahlt den vollen Betrag noch einmal.

Der Pass ist nicht freiwillig. Ohne ihn gibt es keine Reise ausserhalb Europas, keinen Aufenthaltstitel, kein Bankkonto, keinen Arbeitsvertrag im Ausland. Eine Abgabe auf etwas, das man haben muss, ist keine Gebuehr fuer eine Dienstleistung, sondern eine Steuer auf die Zugehoerigkeit.

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Die Fuenfte Schweiz

838 600 Menschen, ein einziger Tarif

Ende 2025 waren 838 600 Schweizerinnen und Schweizer bei einer Vertretung im Ausland gemeldet, so viele wie noch nie. 24 Prozent von ihnen sind ueber 65, weitere 21 Prozent sind Kinder. Ein Jahr zuvor waren es 826 700; die Zahl waechst weiter, zuletzt um 1,4 Prozent nach 1,6 Prozent im Vorjahr. Sie alle bezahlen dieselbe Gebuehr.

Sie verdienen aber nicht Schweizer Loehne. Wer in Rumaenien, Portugal oder Thailand arbeitet, verdient das Ortsuebliche. Wer von einer AHV-Rente lebt, oft von einer Minimalrente, hat einen festen Betrag im Monat. Fuer diese Menschen ist eine Gebuehr von 149 Franken nicht dasselbe wie fuer jemanden mit einem Schweizer Monatslohn - es ist derselbe Preis fuer ein ganz anderes Einkommen.

Und sie brauchen den Pass haeufiger als alle anderen: fuer die Aufenthaltsbewilligung, fuer die Arbeit, fuer jede Behoerde im Gastland. Der Ausweis ist fuer sie kein Reisedokument, sondern die taegliche Grundlage.

Nicht jeder Auslandschweizer lebt in einem Land mit Schweizer Einkommen - und selbst wenn, waere der Preis nicht gerechtfertigt. Der Pass sollte kostenlos sein, als Dienst des Staates an seinen Buergern.

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Ein Ausweis ist eine Dienstleistung, keine Einnahmequelle

1
Gebuehr auf die Selbstkosten begrenzen.Der Bund soll offenlegen, was Herstellung, Biometrie und Versand tatsaechlich kosten, und nicht mehr verlangen als das. Was darueber liegt, ist eine Steuer und gehoert nicht in eine Gebuehrenverordnung.
2
Reduktion bei tiefem Einkommen und Minimalrente.Wer von einer Minimalrente oder einem Einkommen unter dem Existenzminimum des Wohnlandes lebt, soll den Ausweis zum reduzierten Ansatz oder kostenlos erhalten. Andere Staaten kennen solche Ansaetze fuer Junge und Rentner laengst.
3
Keine Zuschlaege fuer die Ausstellung im Ausland.Wer im Ausland lebt, soll fuer denselben Ausweis nicht mehr bezahlen als im Inland, und die Vertretungen sollen ihre Zusatzkosten ausweisen statt sie in eine Pauschale zu packen. Die Vereinigten Staaten verrechnen weltweit denselben Betrag - es geht also.
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Quellen

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TS120

Faktencheck8/10

Alle Gebuehren gegen die Kantone, die EDA-Preisliste und die VAwG geprueft, die Zahl der Auslandschweizer gegen das BFS. Ein Punkt Abzug, weil der internationale Vergleich auf einer zusammengetragenen Liste beruht und nicht auf 27 Amtsquellen.

Stand 24.09.2026